Historie des Powerlifting - Ein bewundernder Blick in die Anfänge
Von Wolfgang

Was ist Powerlifting und warum entstand es?

Es gab Athleten im olympischen Gewichtheben, die deutlich stärker als der Sieger waren. Nichtsdestotrotz verloren sie. Der Grund hierfür: Im olympischen Gewichtheben kann man mit technischer Finesse einen bezüglich Maximalkraft deutlich überlegenen Konkurrenten bezwingen. Abduckgeschwindigkeit, mehrere Bewegungsabläufe gleichzeitig koordinieren, eine ausgeklügelte Technik, Reflexe, Artistik, all dies brachte im Gewichtheben marginale Vorteile. Kraft spielte durchaus eine Rolle, aber eben zu einem deutlich verminderten Anteil. Dies verfälschte für Kraft-Puristen das Bild.

Ein Wettkampfformat musste her dass klarstellte wer WIRKLICH der Stärkste war.

Kein Rennen mit Gewichten, kein artistisches Reißen wie im Gewichtheben, pure stationäre Kraft.
Maximalkraft die den gesamten Körper mit einbezieht.

Die Lösung: Powerlifting / Kraftdreikampf

Kein Sport bildet mehr rohe Kraft und substantielle Muskelmasse als der Kraftdreikampf.

2 Formen des Kraftdreikampfs werden unterschieden:

Powerlifting mit unterstützender Ausrüstung bzw. Equipment

Erstklassig genutztes Equipment bringt sehr viele zusätzliche kg für das Kraftdreikampf-Total.
Das Equipment besteht aus den folgenden Komponenten (in Klammern die dadurch erreichbaren zusätzlichen Kilo):
Beugeanzug (0-150 kg)
Bankdrückhemd (0-150 kg)
Kniebandagen (0-40 kg)
Kreuzhebeanzug.(0-60 kg)
Swingrack (0-50 kg)

Diese Form des Wettkampfs erfordert beträchtliche Anstrengungen. Die Wettkämpfer sind durchaus bewundernswert. Insbesondere die Fähigkeiten des zentralen Nervensystems werden hierbei gesondert abgetestet.

Es kann aber ohne weiteres passieren, dass ein Powerlifter den deutlich stärkeren Powerlifter „besiegt“, da ersterer die Nutzung des Equipments weit besser umsetzt. Damit ist dann der urspüngliche Sinn des Powerlifting ad absurdum geführt. Für Kraftpuristen ein Hohn. Selbst viele lockerer eingestellte Powerlifter nehmen mittlerweile Abstand von dieser Variante des Powerlifting.
Bsp.: Es gibt equipment-technisch hochbegabte Powerlifter die 320kg mit Hemd drücken aber nicht mal 180kg ohne. Man spricht dann vom „gangsta equipment“. Eine für echte Kraftanhänger inakzeptable Verzerrung. In den USA sind diese grotesken Auswüchse weit mehr verbreitet als im „Rest der Welt“. Dem Ansehen des echten Powerlifting wird hier geschadet. Es gibt jedoch eine sehr einfache Lösung …

… Powerlifting ohne unterstützendes Equipment – Raw Powerlifting

Es gibt seit ca. 5 Jahren eine Rückkehr zu den wahren und wirklich faszinierenden Werten im Powerlifting ….

- Der körperlich stärkere Mann gewinnt. -

Nur Gürtel und Kniestulpen sind erlaubt. Schutzausrüstung. Ja, unterstützende Ausrüstung: Nein. Das Raw Powerlifting genießt unter den meisten Powerliftern / Kraftpuristen das weit höhere Ansehen.

Streifzug durch die Powerlifting-Historie

Ende der 40er bis Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts gedieh Powerlifting inoffiziell.

Die Wiege des Powerlifting liegt letztlich in den USA. In den USA war die Motivation, stark zu sein, naturgemäß schon immer hoch. In manchen Wohngebieten sehr hoch. Viele US Polizisten betätigten sich schon damals im Hantelsport.

Zwar gab es in Europa, insbesondere in Deutschland und Großbritannien, immer wieder gelegentliche Vorläufer-Veranstaltungen. Die Urfaszination des Powerlifting jedoch - kolossale, bahnbrechende Leistungen – hat ihren Ursprung in USA.


Der erste Athlet der für echtes Aufsehen sorgte war Marvin Eder.

Marvin Eder

Ein in New York ansässiger Athlet mit österreichischen Wurzeln. Bei einem Körpergewicht von unter 90kg zeigte er Anfang der 50er Jahre Leistungen, die – unabhängig vom Körpergewicht – bis dahin niemand erbrachte. Bankdrücken 232.5kg. 10 tiefe Kniebeugen mit 250kg. 12 Wiederholungen im einarmigen Klimmzug, d.h. die andere Hand hängt frei. Im Parallel-Dip eine Wiederholung mit 205kg Zusatzgewicht. Drücken im Stehen, nur mit den Armen, ohne Beinschwung, 165kg. Der Parallel-Dip ist bis heute einzigartig bzgl. Zusatzgewicht. Bereits mit 21 Jahren beendete er seine Athletenlaufbahn, da er ein Opfer von Intrigen im Gewichtheberverband wurde.

Im Jahr 1953 erklomm ein neues Phänomen die Bühne. Der Kanadier Doug Ivan Hepburn.

Doug Ivan Hepburn

Sowohl ein Kraftmensch als auch ein Intellektueller. Als erste Kostprobe seines Potenzials schlug er in Götheburg, Schweden -praktisch aus dem Nichts kommend- die gesamte Gewichtheberelite der Welt. Hierbei drückte er im Stehen fast in Zeitlupe, nur mit den Armen-kein Beinschwung, Torso vertikal bleibend- über 170kg. Die olympischen Disziplinen Drücken, Reißen und Stoßen trainierte er nur kurz vor dem Wettkampf. Sein eigentliches Training waren die Powerlifting-Disziplinen. Er arbeitete fast nur mit roher Kraft. Doug Hepburn hatte bereits alle demoralisiert, als er 165kg (damaliger Weltrekordbereich) im Aufwärmraum für 2 strikte Wiederholungen drückte. Bei der 2ten Wiederholung hielt er die Stange provokativ auf Stirnhöhe für 5 Sekunden, ehe er das Gewicht vollends hoch drückte. Der berüchtigte Pate und Trainer des US amerikanischen Gewichthebens, Bob Hoffman, kommentierte bedrückt: Gegen einen Kran können wir (das US Team) unmöglich gewinnen.

Doug stellte binnen der nächsten 1-2 Jahre -insbesondere im Bankdrücken- neue Weltbestmarken auf. Er steigerte hierbei die Marke auf 263kg. Im strikten, langsamen Curl, mit gerader Stange 117kg. Letzterer Rekord steht nach wie vor.



Dann kam der Mann, der von vielen Experten als der –mit Abstand - stärkste Beuger aller Zeiten angesehen wird.
Paul Anderson, der Dixie Derrick.

Paul Anderson

Der Olympiasieger von 1956 im Gewichtheben. 1,75m groß und bis zu 177kg schwer. Am 4. April 1957 trat Paul im Mapes Hotel in Reno, Nevada, zu einer –bis heute als sagenhaft geltenden - Kraftdemonstration an. Eine Hantel, auf jeder Seite ein Glas-Stahlbehälter, gefüllt mit Silberdollars. Die Fachwelt ist sich einig, dass es allermindestens 410 kg waren. Paul beugte dieses Gewicht jeden Tag bei 3 Auftritten. 2 Wochen währte sein Engagement. Fotos belegen, dass er mindestens parallel beugte. Noch nicht mal einen Stützgürtel trug er dabei. 15.000 Dollar - nach Stand vom 08.03.2009 sind das 114,726.29 $ an Kaufkraft im Januar 2009 - waren ausgesetzt für den, der es ebenfalls schafft. Es musste nicht ausbezahlt werden. Paul Anderson durfte offiziell nie an Powerliftingwettkämpfen teilnehmen, da ihm der Amateurstatus danach nicht wieder zuerkannt wurde. So war das in der damals „hochmoralischen“ Sportpolitik. Verbürgt sind von ihm 408kg Kniebeuge in Straßenkleidung für 5 Wiederholungen. Viele namhafte Zeugen dafür. Darunter Marty Gallagher, der spätere Trainer von Ed Coan, Shane Hamman und Kirk Karwoski.


Paul Anderson und Doug Hepburn gelten als die Väter des Powerlifting.
Im Jahr 1964 setzte sich die Powerlifting-Bewegung in USA gegen die damals feindselig eingestellte Gewichthebervereinigung durch. Die ersten offiziellen, nationalen Meisterschaften wurden durchgeführt. Dies gilt als die Geburtsstunde des heutigen Powerlifting.


In den 70 er Jahren sorgte Don Reinhoudt für Furore.

Don Reinhoudt

Don Reinhoudt 1,90m groß und Körpergewicht bis zu 169kg- erbrachte 1976 die folgende Leistung im Powerlifting: 1097,5kg nur mit Gürtel mit schmaler Vorderseite. Keine Bandagen, kein Beuge-Stütztrikot, kein Bankdrück-Stütztrikot. In einem Interview schilderte er, dass er Ende der 70er Jahre bei seinen Vorbereitungen auf den World`s Strongest Man nochmals an Kraft zulegte. Don`s Genetik war extrem. Er lieferte auch gleich mal eine Messlatte für Allzeitrekord-Potenzial im Superschwergewicht: Als 16 Jähriger konnte er 109kg (240lbs) beim Drücken im Stehen bewältigen. Dies bei seinem allerersten Hanteltraining.

Ed Coan

Ed Coan dominierte die 80er und 90er Jahre. Bei mehreren Weltmeisterschaften erzielte er als 100kg Athlet ein höheres Total als alle Athleten in der Superschwergewichts-Klasse. 1998 erzielte er das höchste Total bis dahin. Unabhängig von der Gewichtsklasse. Als 110kg Athlet sage und schreibe 1117kg. Er erbrachte 1991 die relativ stärkste Leistung aller Zeiten. Bei nur 100kg Körpergewicht bewältigte er 1090kg. Bankdrücken und Kreuzheben raw. Letzteres mit 409kg. An 420kg im dritten Versuch scheiterte er nur knapp. Viele sehen ihn als – mit Abstand - den Besten aller Zeiten an. Selbst die Legende Bill Kazmaier vertritt diese Meinung.
Würden die heutigen Athleten mit der veralteten Ausrüstung von Ed Coan heben so würden selbst die Russen in seiner Gewichtsklasse um mehrere Klassen hinter Big Eddie liegen.

Ergänzung Historie Bankdrücken

Walter Kurda war so freundlich, seinen Artikel über die Entstehung des Bankdrückens zur Verfügung zu stellen.
"Bankdrücken" von Walter Kurda

Spitzenathleten in Deutschland

Es gab und gibt Spitzenathleten in Deutschland, die das Bild der Powerliftingszene nachhaltig prägten und heute weiterentwickeln.
Historische Ehrenliste der deutschen Schwergewichte im Kraftdreikampf

Fritz Seese,
Er gab im deutschen Superschwergewicht ein Jahrzehnt lang den Ton an. Unvergessen der Tag an dem er 3 deutsche Rekorde binnen 5 Minuten beugte. Eine Performance, die ihm kein anderer deutscher Superschwergewichtler je nachmachte. Das sagt etwas über sein ungenutztes Potential aus. Mit heutigen Trainingserkenntnissen würde er im IPF Verband ganz sicher über 1000 kg im Total kommen.

Günther Rörsch
Deutscher Meister in Olympischen Gewichtheben und im Dreikampf. Im Bankdrücken hielt er 5 Jahre lang den deutschen Raw Rekord mit 258 kg. Dies bedeutete damals auch Europarekord in der Klasse bis 125 kg. In den 90 er Jahren traf er den damaligen Bundespräsident Richard von Weizsäcker vor dem Hamburger Thalia-Theater. Mit einem Faustschlag ins Gesicht streckte Günther ihn zu Boden. Auch die hierbei gebrauchte Anrede:"Auf ein Wort, Herr Bundespräsident" machte nationale Schlagzeilen.

Hermann Blank
Wurde Europameister in der Klasse -125 kg Ende der 80 er Jahre im Alter von 48 Jahren. Dies gegen Athleten die z. T. ein Vierteljahrhundert jünger waren. Er schraubte danach den deutschen Absolutrekord im Total auf 972,5 kg hoch. In der alten Ausrüstung und ohne Bankdrückhemd.


Rudolf Küster
Rudolf Küster
Er zog Ende der 80 er Jahre als bislang einziger deutscher KDKler ohne Griffverstärker 400 kg aus dem Kreuz. 1988 wurde er Europameister im KDK. Dem KDK ist er nach wie vor aktiv verbunden. Unter anderem fungiert er als Nationaltrainer der Junioren. Im Alter von 54 Jahren erzielte er im Dezember 2008 über 700 kg raw im Total.



Hans Zerhoch
Hans Zerhoch
Wie Hermann Blank ein monströs naturstarker Bayer. Schon im zweiten Wettkampf durchbrach er die 800 kg Barriere im KDK. Er gewann 3 Mal in Folge den bedeutendsten Titel im internationalen KDK, die Superschwergewichtskrone bei den IPF Weltmeisterschaften. Diese Ehre hat sonst nur Don Reinhoudt vorzuweisen. Hans erzielte diese Ehre als über 40 Jähriger. Das hat auch kein Amerikaner bislang geschafft. Nach Meinung nicht weniger KDK Experten rangiert der Hans auf dieser Ehrenliste ganz oben.






Beim Stoahebn "254 kg mit "zwei" Fingern 1,11 Meter gehoben"
Homepage von Hans Zerhoch

Michael Brügger
Seiner Zeit weit voraus: Er arbeitete am Aufbau eines Profiverbands für Powerlifter. Leider war die Zeit damals noch nicht reif dafür. Er zog mit Griffverstärkern 400 kg; dies als austrainierter Modellathlet. Auf der Bank hält er bis heute den deutschen Raw Rekord mit 265 kg. Seine langen Arme (schlechte Hebelbverhältnisse für das Bankdrücken) kompensierte er durch seine exorbitante Brustmuskulatur. Er hatte mehrere Auftritte in der Show "Wetten Dass". Redegewandt, intelligent und mit Top-Figur repräsentierte er unseren Sport bestens in der Öffentlichkeit.

Ulrike Herchenhein
Die mächtigste Dame des deutschen KDK

Ulrike Herchenhein
Die allzeitstärkste deutsche Kraftdreikämpferin. Sie hob in den 80 ern und 90 ern. Etliche Male Weltmeisterin und Europameisterin sowie damalige Weltrekordinhaberin. 20 % höhere Grundkraft reichen aus um kräftemäßig den Gegner klar zu dominieren. In ihrer besten Zeit besaß sie ca. 100 % mehr rohe Grundkraft als ein durchschnittlich kräftiger Mann.


Andy Dörner
In der Kniebeuge besticht Dr. Bein Andy Dörner. In jüngster Vergangenheit sorgte er mit -explosiven - 422,5 Wettkampfbeuge international für Aufsehen.


Homepage von Andy Dörner

Markus Schick
Im Hemddrücken haben wir den erfolgreichsten Turnierbankdrücker in der internationalen Relativwertung, Markus Schick. 5 Jahre dominierte er in der Relativwertung die Weltbestenliste im Hemdbankdrücken. In der Klasse bis 75 kg bewältigte er im Hemddrücken unmenschliche 302,5 kg. Selbst im Powerlifting-Mekka, den USA, ist er in Fachkreisen eine Legende. Die Arnold Classic Relativwertung im Hemddrücken gewann er 5 Mal. Hierzu wurde ihm auch vom Governator selbst, Arnold Schwarzenegger, gratuliert.


Homepage von Markus Schick

Jewgenij Kondraschow
Jevgenij Kondraschow hat jahrelang im Juniorenbereich -auch international - dominiert. Verletzungsbedingt konnte er bislang im Männerbereich (ab 23 Jahre) noch nicht vollends daran anknüpfen. Die für diese Leistungsebene unabdingbare, innere Besessenheit bringt er ganz sicher mit. Kraftsporthistorisch verfügt er über umfangreiche Kenntnisse. Sobald er sich vollends regeneriert bedeutet dies bad news für seine Konkurrenz.


Homepage von Jevgenij Kondraschow

Gunda Fiona von Bachhaus
Gunda Fiona von Bachhaus
Die führende Athletin im Deutschen KDK sowie internationale IPF Weltmeisterin. Vielfache ausgezeichnete Athletin, die seit Jahren unseren Sport begleitet und wie keine Andere prägt. Wer etwas über Ihre Erfolge erfahren möchte, dem empfehlen wir einen Besuch ihrer Seite.


Homepage von Gunda Fiona von Bachhaus

Alle anderen, nicht genannten Athleten
Wir bitten um Verzeihung, nicht alle Athleten genannt zu haben, die sich aufopferungsvoll um unseren Sport verdient gemacht haben. Die Athletenliste soll einen Überblick über die Historie von Powerlifting, KDK und Kraftsport geben.